Fakes: Aus der Trickkiste der Kommunikationspsychologie

CoronavirusImmer wieder begegnen uns Informationen, die wir nicht einordnen können. Fakt oder Fake? Auch jetzt während der Corona-Krise geistern dubiose Meldungen durch das Internet. Wie Fakes funktionieren, warum wir dafür sehr empfänglich sind und wie wir uns davor schützen können, erkläre ich in diesem Beitrag.   

Ein guter Fake kommt oft im seriösen Gewand daher. Ein akademischer Titel, eine Auszeichnung strahlt Glaubwürdigkeit aus. Und oft ist zunächst ein bisschen Wahrheit dabei, bekannte Fakten. Das ist die Eintrittspforte in unser Gehirn. „Aha, davon habe ich auch schon mal gehört …“ Mögliche Skepsis wird zerstreut. Aber dann kommen Halbwahrheiten, Weglassungen, Verallgemeinerungen – sowie Vermutungen und unbewiesene Behauptungen. Aufbauend auf diesen Prämissen wird gelegentlich ein ganzes Gebäude an falschen Schlussfolgerungen konstruiert. Man nennt sowas dann im Extremfall Verschwörungstheorie.

Warum fallen Menschen auf Fake News herein:

    1. Sensationslust: Fake News sind oft dramatisch, spannend, ungewöhnlich und deshalb für viele Menschen interessant, weil sie dem sogenannten Mainstream widersprechen. Facts interessieren solche Menschen nur dann, wenn die spannender als das Fake sind.
    2. Die Plausibilitätsfalle: Wir neigen dazu, Dinge zu glauben, die uns plausibel erscheinen. Aber nicht alles, was plausibel ist, stimmt auch. Beispiel: So ist es sehr plausibel, dass sich Sonne und Mond um die Erde drehen. Das können wir täglich beobachten. Und dennoch ist es falsch, wie wir seit Kopernikus wissen.
    3. Die Kompetenzillusion: Solchen Menschen, die auf sehr bestimmte Art sehr schlau daherreden, glauben wir eher als solchen, die ihre Aussagen mit Bedacht treffen. Je mehr Fachjargon geplaudert wird, umso eher halten wir das für glaubwürdig. Aber Fachjargon allein macht eine Aussage nicht glaubwürdig.
    4. Unsere Filterblase: Wir glauben nur zu gern das, was wir schon immer geglaubt haben. Die Macht der Gewohnheit. Das, was uns bekannt vorkommt, was wir vor allem schon mehrfach gehört haben, halten wir irgendwann für wahr.
    5. Verdrängungsmechanismen: Insbesondere derzeit können es viele Menschen schwer ertragen, wenn sie mit negativen Dingen oder gar Bedrohungen konfrontiert werden. Bedrohungen machen uns Angst. Da entwickelt sich bisweilen eine schon fast pathologische Faktenresistenz! Da wird dann eher den Schönrednern geglaubt, die mentale Beruhigungsmittel verbrieten. Ganz offen gesprochen: Das ist eine sehr unreife Strategie der Problembewältigung. Herausforderungen lassen sich nur bewältigen, wenn man sich ihnen stellt und nicht wenn man sie wegredet.

Wie können wir vermeiden, auf Fake News hereinzufallen?

  • Prüfen Sie die Quelle. Wie glaubwürdig ist die Quelle? Ein Doktortitel allein reicht dazu nicht aus. Sind die Personen im fraglichen Gebiet Experten oder arbeiten sie auf ganz anderen Gebieten? Ist es eine primäre Quelle, also ist es der Ursprung der Information? Oder bezieht sich die Quelle auf eine andere Quelle, die sich wiederum auf eine weitere Quelle bezieht. „Die Cousine meiner Mutter, deren Mann einen Freund hat, der …“ So oder ähnlich kommen dann die tollsten Geschichten zustande. Das heißt auch: Informieren Sie sich aus seriösen Medien, nicht aus Portalen wie RT und KenFM oder privaten Webportalen. Freiheit bedeutet auch, dass jeder die Freiheit hat, im Internet Unsinn zu verbreiten. Nicht alles, was sich gut liest, ist auch gut.
  • Überprüfen Sie die konkreten Aussagen. Sind diese belegt? Oder sind es reine Behauptungen? Prüfen Sie diese. Welche Gegenstandpunkte gibt es? Dazu finden sich meist auch Quellen im Internet. Erst nach eingehender Prüfung und der Beschäftigung mit verschiedenen Sichtweisen sollten Sie sich Ihre eigene Meinung bilden.

Der wunderbare Paul Watzlawick hat das mal in folgenden Satz geformt: Wirklichkeit entsteht durch Kommunikation! Erst im Austausch mit anderen, im Diskurs und durch sorgfältige Analyse kommen wir der Wirklichkeit auf die Spur.

Eine noch interessantere Frage ist, ob diese Wirklichkeit auch der Wahrheit entspricht. Dazu sagen die Konstruktivisten: Wahrheit ist eine Erfindung von Lügnern. Und Objektivität ist immer die Illusion, dass es eine Beobachtung ohen Beobachter gebe, wie Heinz von Foerster einst so treffend formulierte. Absolute Warhehit kann es nie geben. Aber wir können überprüfen, ob eine Aussage evident ist, ob also einiges oder sogar alles für ihre Richtigkeit spricht. Genau das ist die Grundlage kritischen, rationalen Denkens, deren Reinform die Wissenschaft darstellt.

Weniger mit Fakes, dafür mit dem Geheimnis gelungener Kommunikation werde ich mich in meinem Webinar „Essentials guter Kommunikation“ befassen. Dazu bald mehr.

 

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