“Querdenken” in der Krise, oder: Gekonnt scheitern

mind steps - kriseDie Medien sind voll guter Tipps, wie man denn bitteschön mit einer Krise umzugehen hat. Ich will mich da nicht einreihen. Ganz im Gegenteil. Hier finden Sie die besten Tipps, wie Sie mit Krisenmanagement garantiert scheitern. Eine Polemik wider die Schlaumeierei.

Krise heißt: Vieles funktioniert nicht mehr so, wie wir es gewohnt sind. Alltag wird plötzlich anders. Anstrengend, nervig, ungewohnt. Aber das kann ja auch seinen Charme haben. Was müssen wir tun, um uns diese besondere Situation möglichst lange zu erhalten oder sogar zu verschärfen? Hier sind sieben todsichere Tipps.

  1. Ganz generell: Ignorieren Sie die Krise einfach. Wenn Sie nur konsequent genug wegschauen, ist das wie mit der Talfahrt auf der Achterbahn. Machen Sie die Augen zu – und alles ist halb so schlimm. Hören Sie nicht auf das Geschrei der anderen, das macht Ihnen nur unnötig Angst.
  2. Achten Sie nicht auf Experten! Schon gar nicht auf solche, die sich lange genug mit der Thematik befasst haben. Die sind befangen. Warner sind immer auch Störer. Lassen Sie sich nicht stören! Außerdem: Zu viel Konsum von Fakten könnte Sie unnötig beunruhigen. Fakten-Overflow ist ähnlich ungesund wie ausgiebiges Essen.
  3. Inkompetenz ist die Kompetenz der Stunde! Vertrauen Sie besser denjenigen, die nicht vom Fach sind, aber plötzlich mit attraktiven Erklärungen um die Ecke kommen oder Ihnen darlegen, dass es gar keine Krise gibt. Je ungewöhnlicher die Gedankengänge, umso mehr sollten Sie den Anti-Experten glauben schenken. Querdenken ist angesagt! Die Tatsache, dass ein Busfahrer bisher nie ein Flugzeug gesteuert hat, heißt ja auch nicht, dass er sich damit nicht auskennt. Man hat ihn halt nur nie gelassen. Lassen Sie also die Anti-Experten ran. Das unterstützt sie positiv beim Ignorieren der Krise.
  4. Konsumieren Sie Informationen nur selektiv. Glauben Sie nur das, was Sie ohnehin schon vermuten und vor allem schon lange im Gefühl haben. Glauben Sie vor allem alles, was Ihnen plausibel erscheint und sich gut anhört. Da liegen Sie nie falsch. Einfache Erklärungen sind immer richtig! Alles andere wird Sie nur irritieren und das ist gerade in Krisenzeiten nicht gut. Und sie werden feststellen: Sie sind nicht allein. Finden Sie Mitstreiter, ignorieren Sie alle anderen!
  5. Übernehmen Sie in Gottes Namen keine Verantwortung für sich selbst! Und schon gar nicht für andere. Merke: Sie sind in der Krise grundsätzlich Opfer man will Ihnen in Zweifelsfall Böses. Menschen sind schlecht und Krisenmanager sowieso. Kommen Sie also bloß nicht auf die Idee, auch nur einen Hauch an die positiven Absichten anderer zu glauben. Sie werden schnell merken: Als Opfer lebt es sich viel unbeschwerter. Und gemeinsam mit Gleichgesinnten sind Sie stark!
  6. Kultivieren Sie die Problemperspektive: Befassen Sie sich nur mit Symptomen und Auswirkungen der Krise, ergründen Sie keinesfalls deren Ursachen. Ganz wichtig: Schuld an den Problemen sind immer diejenigen, die sie lösen wollen. Projizieren Sie also gezielt Ihren Ärger auf die Problemlöser und deren Maßnahmen, aber niemals auf die Krise, die es ja nicht gibt (ich wiederhole mich).
  7. Beteiligen Sie sich keinesfalls an Lösungen! Das folgt schon aus Ihrer Opferrolle. Allein beim Gedanken an konstruktive Auswege aus der Krise (Herrgott, schon wieder …) beißen Sie sich sofort auf die Unterlippe! Geben Sie sich nicht der Versuchung hin, konstruktive Vorschläge zu machen. Im schlimmsten Fall würden Sie dadurch zum Teil der Lösung. Und wer will das schon sein als Opfer? Setzen Sie lieber alles daran, um jegliche Lösungsansätze zu diffamieren und zu konterkarieren. Nur so können Sie sicherstellen, dass wir uns noch lange mit der Krise befassen können.

 

Disclaimer: Der Autor übernimmt keine Haftung für die gefahrlose Anwendung der oben genannten Ratschläge. Zu Risiken und Nebenwirkungen konsultieren Sie dann doch bitte lieber Experten.

 

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