Coaching-Tipp: SMART Reloaded

Wie bekommen Ziele die nötige Zugkraft? Wie vermeide ich das Mantra „Schauen wir mal“, wenn es um Veränderung geht? „Na klar, mit SMARTen Zielen.“ Die alten Hasen unter den Führungskräften kennen das. Sie auch? Aber können Sie es auch wirklich? Wirklich smart wird es nämlich erst, wenn wir uns der Voraussetzungen für die Erreichung wohlformulierter Ziele. bewusst sind.

Aber fangen wir einmal kurz von vorn an. Was bedeutet SMARTe Ziele? Die Theorie sagt, dass Ziele erst dann Umsetzungsenergie entfalten, wenn sie so konkret wie möglich formuliert werden. Das bedeutet im Einzelnen:

  • Spezifisch: Was genau wollen Sie erreichen. Beschreiben Sie das so präzise wie möglich. Beispiel: Aussagen wie „Ich will besser werden im Job“  reichen nicht. Sie sind zu unspezifisch. Worin genau wollen Sie besser werden? Im Selbstmanagement, in der Akquise, in Ihrer Entscheidungsstärke oder worin genau?
  • Messbar: Sofern möglich, sollten Sie Ihr Ziel quantifizieren. Beispiel: „Ich will mehr Kunden gewinnen“ ist schon recht spezifisch, aber noch nicht messbar. Wie viele Kunden wollen Sie gewinnen? Andere Ziele sind schwer quantifizierbar . Wenn Sie sich zum Beispiel vornehmen, in Konflikten zukünftig besseres Feedback zu geben, dann können Sie die Erreichung dieses Ziels schwer in Zahlen messen. Messbar wird es aber über einen anderen Weg. Tipp: Fragen Sie sich, woran Sie es merken würden, dass Sie Ihr Ziel erreicht haben? Was konkret hätte sich verändert, wenn Sie mit Ihren Feedbacks erfolgreich waren?
  • Attraktiv: Wie wichtig ist Ihnen das Ziel? Wozu wollen Sie es erreichen? Hier steht Ihre Motivation im Mittelpunkt, nicht die Ihres Vorgesetzten oder die eines nahestehenden Menschen. Was löst der Gedanke an den Zielzustand gefühlsmäßig bei Ihnen aus? Ein angenehmes Kribbeln, wohlige Wärme oder freudige Erregung (um nur einige Möglichkeiten zu erwähnen)?
  • Realistisch: Prüfen Sie, ob Sie über die nötigen Ressourcen verfügen, um das Ziel zu erreichen. Liegt es in Ihrer Kompetenz? Wenn nicht: Welche Fertigkeiten, Kenntnisse fehlen Ihnen noch? Und trauen Sie sich den Weg dorthin zu? Oder gibt es Zweifel und Ängste?
  • Terminiert: Wann genau wollen Sie das Ziel erreichen? Sollte es sich um ein größeres Projekt Handeln, dann plane Sie ausreichend Zeit ein. Besser noch. Unterteilen Sie das Ziel in Teilziele. Welche Meilensteine wollen Sie wann erreichen.

Soweit ist das vielen bekannt. Aber selbst vielen, die SMART kennen, gelingt es nicht, Ihre Ziele zu erreichen. Nach meiner Erfahrung aus dem Coaching hat das häufig folgende Gründe:

  • Es fehlt die sinnspezifische Vorstellung des Ziels. Menschen konstruieren ein vernünftiges Ziel, das terminiert, messbar und spezifisch ist, können sich aber kein konkretes Bild vom Zielzustand machen. Die sinnspezifische Wahrnehmung ist aber wichtig,  wenn es Relevanz haben soll. Denn nur, was sinnspezifisch wahrnehmbar ist, kann auch von den emotionalen Zentren unseres Gehirns aufgenommen und als positiv  – oder auch negativ bewertet werden. Nur was sie sehen, hören, riechen, schmecken oder fühlen können, hat das Potential, unter die Haut zu gehen. Und das sollte es, wenn es ein attraktives Ziel sein soll.
  • Das Ziel ist keine Annäherungs- sondern ein Vermeidungsziel. Vermeidungsziele haben den Nachteil, dass Sie für unser Gehirn sinnspezifisch nicht fassbar sind. Was bedeutet zum Beispiel „das Rauchen aufgeben“ sinnspezifisch? Sie denken an das Rauchen, aber nicht an das, was an die Stelle des Rauchens tritt. Bieten Sie Ihrem Gehirn ein Ziel an, das attraktiver ist als der Ist-Zustand. Sonst ist es eher unwahrscheinlich, dass Sie Ihr Ziel erreichen. Was haben Sie gewonnen, wenn Sie  das Rauchen aufgegeben haben? Also: Formulieren Sie Ziele immer positiv.
  • Das Ziel ist nicht attraktiv genug oder es gibt etwas, das Sie ausbremst oder sogar blockiert. Das können konkurrierende Ziele, innere Zweifel oder selbstbeschränkende Glaubenssätze sein. Wenn Sie bei sich Vermeidungsstrategien beobachten („eigentlich müsste ich ja diese Aufgabe anpacken, aber ich muss ja auch noch …“), dann sollten Sie einmal genauer nachschauen, welcher Mechanismus Sie hier sabotiert. Nach meiner Erfahrung hilft es wenig, Zweifel und Ängste wegzudenken. Stellen Sie sich diesen und versuchen Sie einmal, einen inneren Dialog zwischen Ihrem mutigen und dem ängstlichen Anteil zu führen.
  • Das Ziel ist zu hoch gesteckt. Die meisten Menschen überschätzen, was sie in einem Jahr erreichen können und unterschätzen, was im Verlauf von zehn Jahren möglich ist. „Think big“ war vor der Finanzkrise. Backen Sie ruhig kleinere Brötchen. „Slow Grow“ ist besser als „fast crash“. Mehr dazu lesen Sie in Svenja Hoferts Buch zum Thema.
  • Die Zielerreichung liegt nicht allein in Ihrer Hand. Wenn Sie Abteilungsleiter werden wollen, dann werden Sie bei kurzer Prüfung schnell feststellen, dass nicht Sie, sondern andere über diese Frage entscheiden. Schade auch, aber das Leben ist kein Lego-Bausatz. Sie können aber dieses Ziel so umformulieren, dass es SMART wird. Fragen Sie sich dazu, was genau Sie dem Ziel näher bringt – und Ihrer Hand liegt. Wie sieht ein Abteilungsleiter-Kandidat aus, was kann er und welches „Mindset“ hat er?
  • Das Ziel passt nicht zu Ihrer inneren Ökologie. Jeder lebende Organismus strebt nach einem inneren wie äußeren Gleichgewicht. Und möglicherweise bringt die Erreichung des Ziels dieses Gleichgewicht aus den Fugen. Sie müssten vielleicht Werte, Bindungen oder Gewohnheiten aufgeben, die Ihnen wichtig sind? Da wird aus dem angenehmen Kribbeln im Bauch schnell ein mulmiges Gefühl.  Solange Sie den vorgestellten Zielzustand nicht als angenehmer erleben als den Status Quo, wird Ihnen das Entscheidungszentrum im limbischen System Ihres Gehirns sicher nicht das Signal „go for it!“ senden.
  • Sie setzen sich ein Ziel, fangen aber nicht mit der Umsetzung an. Das kann eine der oben genannten Gründe haben. Aber vielleicht fehlt Ihnen nur ein Fünkchen Mut, den ersten Schritt zu wagen. Tipp: Schließen Sie einen Vertrag mit sich selbst und das möglichst schriftlich. Und dann fangen Sie an. Sofort. Alles, was mehr als drei Tage ruht, verringert die Halbwertszeit Ihrer Motivation enorm.

 

Das könnte Sie auch interessieren:

Über Constantin Sander

Wissenschaftler, Marketer, Coach, Berater, Autor
Dieser Beitrag wurde unter Coaching abgelegt und mit , , , , , , , , , , , , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Die Kommentarfunktion ist geschlossen.