Bundestagswahl: Frust ist keine Lösung!

Wenn einen etwas verunsichert oder nicht so läuft, wie man es gerne hätte, kann Mann oder Frau auf sehr unterschiedliche Art reagieren. Möglichkeit eins: Sie wenden sich nach hinten, immigrieren wehmütig in die Vergangenheit und wollen alles so haben wie es mal war. Möglichkeit zwei: Sie ziehen die innere Immigration vor, Frust. Das wars. Oder? Nicht!

Eine kleine Vision: Im September wird eine Partei zweitstärkste Kraft, die es bestens versteht, Ängste von Menschen auszudrücken und geschickt zu verstärken. Sie schürt Vorurteile, betreibt einen subtilen bis offenen Rassismus, schimpft auf die „Lügenpresse“ und die etablierten Parteien und verspricht einfache Lösungen. Innerhalb von 12 Jahren stürzt sie das Land ins totale Chaos und mit ihm den Rest der Welt. Panikmache? Nein, das ist exakt so nach 1930 geschehen. Im September 1930 zog die NSDAP als Sammelbecken der Unzufriedenen mit 18 Prozent in den Reichstag ein. Der weitere Verlauf der Geschichte ist bekannt. Die goldenen Zwanziger endeten mit einem Weltenbrand.

Die Welt ist im Umbruch

Was hat das mit 2017 zu tun?  Nun, damals gab es wirtschaftliche Umbrüche, die Moderne nahm ihren Lauf, die alten Weltmächte schwächelten, der Taylorismus revolutionierte die industrielle Produktion und forderte seinen Tribut. In der großen Weltwirtschaftskrise wurden Millionen arbeitslos, einige verloren alles.  Heute haben wir wieder eine Finanzkrise hinter uns oder stecken vielleicht noch mittendrin. Die Digitalisierung unseres Lebens ist Chance und Fluch zugleich. Viele fürchten um Jobs. Der Klimawandel kündigt sich immer deutlicher an. Dazu brodelt vor Europas Haustüren, im mittleren Osten ein Konflikt, der keine Ende nimmt. Sehr viele Menschen begeben sich vor dem Krieg auf die Flucht nach Europa.

Kurzum: Die Welt ist mal wieder im Umbruch. Vielleicht erleben wir gerade den größten Umbruch seit der ersten Industriellen Revolution. Und dazu hat die Politik derzeit keine Lösungen.

Wir können nun auf sehr unterschiedliche Art reagieren: Wir können, und das ist in jedem Standardwerk zu Change-Prozessen nachzulesen, die Variante Negation wählen. Was bedeutet das? Man glaubt die Nachrichten nicht („Lügenpresse“) und wendet sich stattdessen Verschwörungstheorien zu („Islamisierung Europas“ oder „Klimalüge“), glaubt an den Untergang des Abendlandes, findet Schuldige („Migrantenschwemme“, „Volksverräter“) und diffamiert „das System“ als Demokratur und von Konzerninteressen geleitet.

Kommt uns das dem einigermaßen geschichtsbewussten Menschen irgendwie bekannt vor? Ja, siehe oben.

Und machen wir uns nichts vor. Das, was sich da den Begriff Alternative im Namen führt, ist von einer Euro-kritischen Partei längst ein Sammelbecken für die neue Rechte geworden. In Talkshows versucht man das tunlichst zu vertuschen, aber wenn man sich die Kandidatenriege dieser Volksgenossen einmal näher anschaut, kann jedem Demokraten nur schlecht werden. Der Tagesspiegel hat dieses Gruselkabinett einmal näher unter die Lupe genommen.

Da versammeln sich Ignoranz, Dummheit und ein geradezu paranoider Wahn gegen alles, was eine pluralistische Gesellschaft ausmacht. Die einzige Vision dieser Leute ist, die Welt wieder so zu machen, wie wir sie „von unseren Vätern übernommen haben“. Ist das eine Alternative?

Wir können im Moment vielleicht Menschen nicht daran hindern, im Denken des letzten Jahrhunderts zu verharren, aber wir können ein Zeichen setzen.

Für Demokratie und gegen Rassismus, für Pluralismus und gegen Diskriminierung von Minderheiten, für aufgeklärtes Denken und gegen extremistische Ideologien. Dazu sollten Sie aber wählen gehen. Jeder Demokrat, der nicht wählen geht, unterstützt Extremisten. „Nana, jetzt übertreiben Sie aber, Herr Sander!“ Nein, tue ich nicht, siehe Brexit, siehe Trump und siehe 1933. Extremisten kommen immer dann an die Macht, wenn die Moderaten, die Aufgeklärten, die Demokraten ihnen das Feld überlassen. Weder die Brexit-Bewegung, noch Trump, noch die Nazis hatten die Mehrheit der Bevölkerung hinter sich.  Sie haben gesiegt, weil viele nicht zur Wahl gegangen sind.

Neben der inneren und der äußeren Immigration gibt es eben die dritte Möglichkeit: Werden Sie aktiv, beteiligen Sie sich, diskutieren Sie, sprechen Sie mit Menschen, suchen Sie gemeinsame Lösungen. Gestalten Sie Zukunft! Der erste Schritt: Gehen Sie wählen, denn Frust ist keine Lösung.

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Über Constantin Sander

Wissenschaftler, Marketer, Coach, Berater, Autor
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