„Wahrnehmung ist eine kontrollierte Halluzination.“

Ist unsere Wahrnehmung ein Spiegelbild der Wirklichkeit oder lassen wir uns täuschen? Wie konstruiert unser Gehirn eigentlich Realität?

Paul Watzlawick hat schon vor vielen Jahren behauptet und überzeugend dargestellt, dass Wirklichkeit das Ergebnis von Kommunikation ist. Das ist starker Tobak für eine rationale Welt. Ist die Wirklichkeit dann nicht mehr oder weniger beliebig? Können wir uns unsere Wirklichkeit aussuchen, ganz frei nach Pippi Langstrumpf: „Ich mach mir die Welt, wie sie mir gefällt“?

Watzlawicks Sicht entstammt einem konstruktivistischen Weltbild. Demnach konstruieren sich Menschen ihre eigenen Realitäten. Und es steckt weder Bösartigkeit noch Ignoranz dahinter, sondern schlichtweg die Tatsache, dass das, was letztlich in unser Bewusstsein gelangt, zuvor eine ganze Reihe von Filtern durchlaufen hat. Man kann vielleicht sagen, dass Wirklichkeit das Ergebnis eines komplexen Produktionsprozesses ist. Unser Bild von Welt ist daher niemals objektiv, sondern immer subjektiv. Wir können uns um größtmögliche Objektivität bemühen, aber wir werden sie nie erreichen. Heinz von Foerster drückte das einmalsehr prägnant aus: „Objektivität ist die Illusion von Leuten, die glauben, dass es Beobachtung ohne einen Beobachter gibt.“

Die Hirnforschung bestätigt das und hat uns inzwischen sehr spannende Einblicke in diesen Prozess der Realitätskonstruktion geliefert. Es ist schlimmer, als man befürchten mag: Jeder von uns hat schon einmal Tagträume erlebt, tranceartige Zustände. Dazu benötigt man keine Drogen, wir tun das täglich, ganz unwillkürlich. Man kann das auch als eine Art Halluzination bezeichnen. Der Neurowissenschaftler Anil Seth sagt sehr pointiert, dass Halluzinationen eine unkontrollierte Wahrnehmung sind. Wahrnehmung bezeichnet er als eine kontrollierte Halluzination.

„Wenn wir mit unseren Halluzinationen übereinstimmen, nennen wir es Realität.“

In seinem Vortrag bei TED entführt er uns in die spannende Innenansicht unseres Gehirns:

Vielleicht eine gute Gelegenheit, mal über eigene Wahrnehmungen und vermeintliche Wahrheiten nachzudenken?

 

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Über Constantin Sander

Wissenschaftler, Marketer, Coach, Berater, Autor
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