Rock the System: Wie Sie eine Organisation in Resonanz versetzen können

Viele Menschen wollen etwas verändern. Sich selbst, ein Team, ein Unternehmen, eine Gesellschaft, die Welt. Wenigen gelingt das effektiv. Die übrigen stoßen mit ihren Impulsen nicht auf Resonanz, obwohl ihre Ideen nicht schlechter sind, als die Ideen der Erfolgreichen. Woran liegt das? Gibt es ein Rezept, einen Masterplan zum Erfolg?  

Der von mir sehr geschätzte Organisationspsychologe Peter Kruse erklärt in einem Interview, worauf es ankommt, um ein System in Resonanz zu versetzen. Er spricht davon, dass Ideen mit dem Wertesystem eines Systems kompatibel sein müssen, um in eben diesem System auf Resonanz zu treffen. Wir müssen sozusagen den richtigen Ton, die richtige Frequenz treffen, um mit unserem Tun etwas zu bewirken.

Als ich das Interview sah, fiel mir sofort das von Robert Dilts entwickelte Modell der logischen Ebenen ein, in dem Werte eine zentrale Rolle spielen. Aber um Veränderung wirklich voranzubringen, braucht es mehr.

In der individuellen Veränderungsarbeit im Coaching arbeite ich gern mit den logischen Ebenen, finde den Einstiegspunkt aber meist über die unterste Ebene, die Umgebung. In einem Future Pace, also einer imaginativen Assoziation mit der Zukunft bietet es sich an, sich zunächst die Umgebung vorzustellen, die man erreichen will, sei es das Arbeitsumfeld oder das private Umfeld. Ich werde das Modell im Folgenden erläutern, will es dazu aber auf den Kopf stellen.

Denn wollen Sie nicht sich selbst, sondern ein System verändern, dann beginnen Sie auf der obersten Eben, der Zugehörigkeit. Bevor Sie nämlich etwas verändern können, müssen Sie zunächst in Kontakt kommen mit dem Team, der Abteilung der Belegschaft oder den Kollegen. Sind Sie nicht in irgendeiner Form zugehörig, werden Sie immer als Fremdkörper im System erscheinen. Zugehörigkeit basiert auf Vertrauen und bedingt diese zugleich. Das eine ist ohne das andere nicht möglich.

Dann sollten Sie sich und Ihre Rolle, Ihrer Identität in diesem System beschreiben können. Wer bin ich? Bin ich Kollege, Führungskraft, Berater, oder gar Antreiber oder Retter? Oder fühle ich mich selbst als Opfer des Systems, in der die kultige TV-Figur Stromberg so gern erscheint? Bin ich Kreativer, Kritiker oder Realist? Peter Kruse arbeitet mit den Rollen Broker (bringt Menschen zusammen), Creator (produziert Ideen) und Owner (hat Fachkompetenz). Ebenso wichtig ist die Frage nach der Identität des Systems? Was ist die Mission des Teams, der Firma, der Organisation?

Nach der Auseinandersetzung mit der Frage der Zugehörigkeit und der Identität ergibt sich dann fast schon zwingend die Beschäftigung mit den Werten. Den Werten des Systems und Ihren. Sind die kompatibel? Jedes System besitzt explizite und implizite Ordnungsmuster, schriftlich fixierte und unausgesprochene. Kennen Sie die? Bewegen Sie sich im System wie ein Fisch im Schwarm, dann haben Sie offenbar ein Gespür für diese Ordnungsmuster, Ihren Spiegelneuronen sei Dank. Als Kommunikationsexperte kennen Sie dann auch die verschiedenen kontextabhängigen Varianten und Dialekte. Werte sind das Bindeglied zwischen den Elementen eines Systems und ein wichtiges Trägheitsmoment, das ein Auseinanderdriften und Zerfallen des Systems verhindert. Gerade deshalb achten labile Systeme oft dogmatisch auf Werte und das Einhalten von Regeln.

Es schließt sich die Frage an, was das System besonders gut leistet. Was sind die speziellen Fähigkeiten und Stärken des Teams oder der Firma? Eine Innovation, ein Produkt  mag kompatibel mit den Werten eines Systems sein, aber nicht mit dessen Kompetenzen. Ist das Neue aber auch resonanzfähig mit den Fähigkeiten, besteht eine gute Chance, diese Idee auch erfolgreich umzusetzen.

Was konkret die nächsten Handlungsschritte sein werden (zweite Ebene) und in welcher Umgebung (erste Ebene) diese umgesetzt werden, sind dann strategische Fragen, die auf der Basis Zugehörigkeit/Kontakt, Identität, Werte und Fähigkeiten aufbauen. Wenn Sie auf all diesen Ebenen Ihre Hausaufgaben gemacht haben und Ihre Ideen zumindest einen gefühlten Mehrwert liefern, ist Ihnen der Erfolg zwar nicht garantiert, aber zumindest haben Sie die Chancen für ein Gelingen enorm erhöht.

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Über Constantin Sander

Wissenschaftler, Marketer, Coach, Berater, Autor
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