Coaching-Tipp: Wie Sie von negativen zu positiven Haltungen gelangen

Sie kennen das sicher: Mitarbeiter oder Kollegen nerven, weil sie vermeintlich in negativen Denkmustern gefangen sind. Viele Menschen versuchen, diese mit Appellen oder gar Druck aufzubrechen. Weil das meist nicht funktioniert, ist Resignation eine häufige Folge. Das muss nicht sein. Ich zeige Ihnen, wie Sie den Weg von negativen zu positiven  Haltungen bereiten können. Das Wertequadrat in Verbindung mit NLP bietet Ihnen diese Möglichkeit.

Unser Kopf ist rund, damit das Denken die Richtung wechseln kann. Und darum möchte ich Sie einladen, zunächst einmal Ihre Sichtweise zu ändern. Es gilt nämlich zu verstehen, dass hinter jedem Verhalten eine positive Absicht steckt. Das ist eine der Grundannahmen des NLP. „Wie bitte?“, fragt jetzt der eine oder die andere. „Jetzt soll ich das unmögliche Verhalten der anderen Seite auch noch gut finden?“  Nein, das sollen Sie nicht. Aber Sie sollten die andere Seite verstehen. Die Frage lautet also: Was steckt hinter einer Haltung oder einem Verhalten? Welche Bedürfnisse suchen nach Erfüllung? Dazu zwei Beispiele.

Autonomie statt Abgrenzung

Vor einigen Wochen berichteten mir Kunden in einem Workshop von einem Problem mit einer Tochterfirma. Diese war bisher von deren Geschäftsführer recht selbständig geführt worden. Nach dessen Weggang wollte man die Firma mehr an das Mutterunternehmen anbinden. Doch es regte sich Widerstand. Mein Kunde berichtete mir von Kommunikationsproblemen und zunehmender Abgrenzung von Seiten der Tochterfirma. Wir haben uns dann angeschaut, welches die positive Absicht hinter der Abgrenzung ist. Sehr schnell kamen wir auf das Bedürfnis nach Autonomie. Meine Frage, ob man der Tochter denn Autonomie zubilligen könne und wolle, wurde bejaht.  So weit so gut. Aber wie vermeidet man nun, dass aus dem Bedürfnis nach Autonomie ein abgrenzendes Verhalten wird?

Der Psychologe Friedemann Schulz von Thun hat hierzu ein wunderbares Modell entwickelt, das Werte- und Entwicklungsquadrat. In unserem Fall haben wir schon zwei der vier Tugenden, welche die Eckpunkte des Quadrates bilden. Wir haben Abgrenzung als übersteigerte Form von Autonomie bereits gefunden. Um die anderen zwei Eckpunkte zu finden, fragen wir im ersten Schritt: Welche Tugend, welche Haltung müssen wir der Autonomie an die Seite stellen, damit sie nicht zur Abgrenzung degeneriert? Was meinen Sie? Welche Schwestertugend (so nennt es Schulz von Thun) könnte das sein?

Mein Kunde kam nach einiger Überlegung und Diskussion auf den Begriff „Kooperation“. Das gefiel ihm sogar sehr gut, denn letztlich war es das, was er sich vorstellte. Eben eine gute Zusammenarbeit mit Win-Win auf beiden Seiten. Aber wenn er das eigentlich wollte, warum hat es dann bisher nicht funktioniert? „Nun, wir waren vielleicht manchmal ein wenig zu direktiv.“ „Aha, Sie haben Ihren Kunden also zu sehr an die Leine genommen?“ Nachdenklichkeit. „Ja, das könnte sein.“

Auf diese Weise haben wir nun alle Eckpunkte dieses Werte- und Entwicklungsquadrats gefunden. Es ist unten dargestellt. Stellen wir dem Bedürfnis nach Autonomie das Angebot der Kooperation an die Seite, so könnte sich das Bedürfnis nach Abgrenzung in seinem positiven Kern auflösen. Respektieren  auf der anderen Seite die Akteure im Mutterunternehmen die Autonomie der Tochter und unterlassen deren Vereinnahmung, so wäre eine Entwicklungsrichtung gefunden, die beiden Seiten hilft, ihre Kernbedürfnisse zu wahren, aber auch vermeidet, dass es zu den geschilderten Fehlentwicklungen kommt.

WertequadratIhnen ist vielleicht aufgefallen, dass die Diagonalen im Quadrat jeweils Gegensätze darstellen. Autonomie ist das Gegenteil von Vereinnahmung und Kooperation schließt Abgrenzung aus. Was mir so gut gefällt: Dieses Modell zeigt neben den Werten oder Haltungen auch die Entwicklungsmöglichkeiten auf. Wer Abgrenzung vermeiden möchte, sollte echte Kooperation anbieten – ohne Dirigismus und Vereinnahmung des Anderen. Wer für sich Autonomie reklamiert, sollte sich nicht abgrenzen, sondern Kooperation anbieten. Er sollte aber auch klare Grenzen setzen, um Dirigismus und Vereinnahmung zu vermeiden.

Wege zum Traumpaar: Selbstachtung und Empathie

Ich möchte Ihnen gern noch ein anderes Anwendungsbeispiel nennen. Sie erinnern sich an meinen Blogbeitrag „Narzissten in Nadelstreifen“. Dort habe ich bereits Hinweise auf die involvierten Haltungen der narzisstischen Symptomatik und ebenso auf die Lösungsrichtungen gegeben. Selbstliebe und Selbstachtung verkommen bei Narzissten zu Selbstsucht und Egozentrik. Was fehlt, ist echte Empathie für andere, die aber nicht zur Selbstaufgabe oder Unterwerfung führen sollte. Die Angst vor Letzterem verleitet Narzissten dazu, empathische Gefühle nicht zuzulassen. Auch dies lässt sich im Werte- und Entwicklungsquadrat darstellen:

WertequadratWie können Sie dieses Modell für sich anwenden? Hier eine Anleitung.

  1. Suchen Sie nach einem Denkmuster oder Verhalten, das Sie stört und das Sie verändern möchten (untere, linke Ecke des Quadrats).
  2. Finden Sie die positive Absicht dahinter. Welches Bedürfnis erzeugt dieses Verhalten? Damit gelangen Sie zu einem positiven Wert (obere linke Ecke).
  3. Begeben Sie sich auf die Suche nach einer Schwestertugend, die Sie dem positiven Wert an die Seite stellen möchten (obere, rechte Ecke). Welche Ressourcen brauchen Sie, um diese Schwestertugend real zu leben?
  4. Welches Verhalten wäre gleichsam die Übersteigerung oder negative Karikatur dieser Schwestertugend (untere, rechte Ecke)? Wie können Sie verhindern, dass die Tugend in dies negative Extrem abgleitet?
  5. Überprüfen Sie, ob die Diagonalen Gegensätze darstellen. Wenn nicht, dann finden Sie passendere Begrifflichkeiten.

Es sei abschließend angemerkt, dass es hier keine eindeutigen Lösungen gibt. Prüfen Sie im Einzelfall, welche Werte, Haltungen und Verhaltensweisen hier wirklich passen. Wenn Ihnen das gut gelingt, dann haben Sie einen Schlüssel, um an sich selbst zu arbeiten und auch, um gemeinsam mit anderen Erwartungen zu klären und Konflikte gewinnbringend aufzulösen.

Zugegeben, das ist nicht immer ganz einfach. Wenn Sie hier professionelle Begleitung in einem Coaching benötigen, dann nehmen Sie gern Kontakt mit mir auf.

Literatur:

Schulz Thun, Friedemann von; Ruppel, Johannes; Stratmann, Roswitha; Kurth, Nina (2008): Miteinander reden. Kommunikationspsychologie für Führungskräfte. 8, Orig.-Ausg., Neuausg. (Juni 2003). Reinbek bei Hamburg: Rowohlt Taschenbuch-Verl. (Miteinander reden, 61531).

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Über Constantin Sander

Wissenschaftler, Marketer, Coach, Berater, Autor
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